Was passierte an einem Nachmittag in der Calle de Bolivár in Mexiko-Stadt?
Aufgabe 4 (0–7)
Lesen Sie zwei Texte zum Thema Tiere und kreuzen Sie die jeweils richtige Antwort
(A, B, C oder D) an. Nur jeweils eine Antwort ist richtig.
Text 1
SEELE EINES HUNDES
An einem Nachmittag, als die Uhr auf dem nahen Geschäftsgebäude drei Uhr schlug, sah
Monsieur LeBlanc, ein Franzose und Besitzer eines Cafés in der Calle de Bolivár in Mexiko-
Stadt, einen mittelgroßen, schwarzen Hund nahe der Tür sitzen, die allezeit offenstand. Er saß
aber so, dass Gäste, die herauskamen oder eintraten, in keiner Weise belästigt wurden.
Der Hund hatte seine sanften, braunen Augen auf LeBlanc gerichtet, und in diesen ruhigen
Augen funkelte etwas wie eine Einladung, Freundschaft zu schließen. (…) Für einige kurze
Augenblicke, und wohl mehr gelegentlich als absichtlich, hielt der Franzose in seinem
Revidieren der Kassenabschnitte inne und warf dem Hund einen zweiten Blick zu. Der Hund,
diese erneute Beachtung rasch auffangend, erwiderte sie mit einem lustigen Wedeln
des Schwanzes, neigte seinen Kopf in komischer Weise ein wenig zur Seite und öffnete sein
Maul schief auf der einen Seite, sodass Monsieur LeBlanc den Eindruck gewann, dass der Hund
ihn vertraulich angrinse. LeBlanc konnte es sich nicht versagen, das Grinsen des Hundes zu
erwidern. (…)
Seinen Schwanz nun eifriger bewegend, richtete sich der Hund leicht auf, setzte sich sofort
wieder, und in dieser sitzenden Stellung verbleibend, schob er sich einige Zoll näher an die Tür
heran, ohne jedoch in das eigentliche Café selbst hineinzukommen.
Der Franzose, diese Handlungsweise eines hungrigen Straßenhundes als anständig und
lobenswert ansehend, vermochte seinen Gefühlen nicht länger zu widerstehen.
Von einem beinahe halbleeren Teller, den eine Kellnerin in diesem Augenblick von dem Tisch
eines Gastes fortnahm, um ihn zur Küche zu tragen, ergriff er ein Rumpsteak, an dem der Gast,
offenbar nicht sehr hungrig, nur gerade so herumgeknabbert hatte.
Dieses saftige Steak mit zwei Fingern hochhebend, es so einige Sekunden haltend, heftete er
seinen Blick auf den Hund, schwang das Steak einladend einige Male hin und her, und mit
einer Geste des Kopfes gab er dem Hunde zu verstehen, er möge hereinkommen und
den reichen Happen in Empfang nehmen. Der Hund sah und verstand diese Einladung, wackelte
nun nicht mehr nur mit seinem Schwanz, sondern mit seinem ganzen Hinterteil, öffnete und
schloss sein Maul in rascher Reihenfolge und leckte sich, als ob er das Steak bereits zwischen
seinen Zähnen habe.
Dennoch, obgleich der Hund nun gut wusste, dass dieses Steak für ihn bestimmt war, trottete
er nicht ins Café, sondern blieb draußen bei der Tür sitzen.
Der Franzose, plötzlich mehr an diesem Hund als an seinen Gästen interessiert, verließ seinen
Platz hinter der Bar und trug das Steak bis dicht zur Tür.
Der Hund ergriff es ohne Hast, gab dem Besitzer einen Blick des Danks, trat von der Tür weg
und legte sich auf dem asphaltierten Seitenweg nieder, jedoch dicht am Fenster des Cafés. Dort
fraß er das dicke Steak.
Als der Hund das Mahl beendet hatte, erhob er sich, ging zurück zur Tür und wartete dort
geduldig, bis der Franzose ihn aufs Neue bemerken würde. Sobald LeBlanc ihm den so
sehnlichst erwarteten Blick zuwarf, stand der Hund auf, wackelte lustig mit seinem Schwanz,
setzte jenes clownische Grinsen auf, das dem Franzosen vorher so gefallen hatte, schüttelte
seinen Kopf so, dass die Ohren um ihn schlugen, drehte sich um und ging seiner Wege. (…)
Nun verstand Monsieur LeBlanc, dass der Hund aus keinem anderen Grunde zum zweiten Male
zur Tür gekommen war, als um in seiner eigenen Weise seinen Dank zu zeigen.
nach: B. Traven, Abenteuergeschichten
Strona 4 z 18 MND-1A
4.1 Was passierte an einem Nachmittag in der Calle de Bolivár in Mexiko-Stadt?
A. Ein wilder Hund versperrte den Eingang zum Café.
B. Ein fremder Hund saß längere Zeit vor einem Café.
C. Der neue Hund des Cafébesitzers belästigte die Gäste.
D. Ein bettelnder Hund wurde von der Tür eines Cafés weggejagt.
4.2 Wie reagierte Herr LeBlanc auf die Anwesenheit des Hundes?
A. Er ignorierte den Hund.
B. Er grinste den Hund an.
C. Er sprach mit dem Hund.
D. Er setzte sich zu dem Hund.
4.3 Wie kam der Hund in den Besitz des Rumpsteaks?
A. Er erhielt es vom Koch, der ihn beobachtete.
B. Er fand es auf dem Fußboden, als es dem Kellner herunterfiel.
C. Er schnappte es sich von einem Teller, als ein Gast nicht aufpasste.
D. Er bekam es vom Cafébesitzer, anscheinend als Belohnung für sein Verhalten.
4.4 Wie ist der unterstrichene Satz in Bezug auf den Text zu verstehen?
A. Der Hund war gut erzogen.
B. Der Hund fühlte sich beleidigt.
C. Der Hund wurde gerade gefüttert.
D. Der Hund hatte vor hineinzugehen.
MND-1A Strona 5 z 18
Text 2
LÖWEN IN UNSEREM ZOO
Sichtlich entspannt liegt Malor neben seiner Mutter. Nur gelegentlich öffnet der junge Löwe
die Augen, um am Gehege vorbeiziehende Besucher zu beobachten. Was normal scheint, ist im
Eifel-Zoo in Rheinland-Pfalz etwas ganz Besonderes.
Malor musste ein Jahr und vier Monate alt werden, um mit seiner Mutter zusammenleben zu
können. „Es ist für mich das Größte, dass er jetzt mit seiner Mutter vergesellschaftet werden
konnte und ich bin stolz darauf, dass er überhaupt überlebt hat“, sagt die Leiterin des Eifel-
Zoos, Isabelle Wallpott. Und sie kann wirklich stolz auf die Ergebnisse ihrer Arbeit sein.
Anfangs sah es nicht so aus, als ob dies je passieren würde. Löwin Lira hatte ihren Nachwuchs
nach der Geburt im Eifel-Zoo verstoßen: Sie kümmerte sich nicht um das 700 Gramm leichte
Junge, es drohte zu verhungern. Mit Hilfe eines Tricks holten es die Tierpfleger schließlich aus
dem Gehege. Zoochefin Wallpott nahm Malor mit nach Hause und zog ihn über Monate mit
dem Milchfläschchen in ihrem Wohnzimmer groß. „Viele dachten damals, dass er nicht
überlebt“, sagt die 35-Jährige heute.
Im vergangenen Spätsommer war Malor in den Zoo umgezogen. Sein Gehege grenzte an das
seiner Mutter, aber fürs Zusammenziehen war es noch zu früh. „Er musste erst ein stattlicher
Löwe werden, der sich auch durchsetzen kann“, sagt Wallpott. Durch einen Gitterschieber
konnten sich die beiden beschnuppern, aber Malor, dessen Vater zwischenzeitlich an einem
Nierenversagen gestorben ist, war noch lange ängstlich.
„Irgendwann hat mir mein Bauchgefühl gesagt: Jetzt ist es so weit“, sagt Wallpott. Das war vor
wenigen Tagen, Malor wog inzwischen gut 150 Kilo. Doch spontan ging das nicht. Für
den großen Moment musste ein Tierarzt mit Blasrohr bereitstehen, der die Löwen betäubt hätte,
wenn sie aufeinander losgegangen wären. Der Mediziner hätte auch notoperieren können. Alle
Zoomitarbeiter hatten sich versammelt. „Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet.“
Dann wurde der Schieber aufgezogen. Und: „Es passierte nichts“, so Wallpott. Lira ging
in Malors Gehege, Malor drehte sich um und legte sich mit dem Rücken zu Lira. „Das war
der Vertrauensbeweis“, sagt Wallpott. Kurz darauf legte sich Lira daneben. „Sie sahen ganz
friedlich aus, als wäre es nie anders gewesen.“
Die Erleichterung war groß. „Meine schlimmste Befürchtung war eigentlich, dass er nicht
versteht, dass er ein Löwe ist. Weil er ja auf den Menschen geprägt ist und mit der Flasche
aufgezogen worden ist.“ Doch nun könne er endlich „richtig Löwe sein“, sagt Wallpott.
„Die beiden verstehen sich super.“
nach: www.spiegel.de
Strona 6 z 18 MND-1A
4.5 Worauf ist die Zooleiterin Isabelle Wallpott stolz?
A. Sie hat persönlich einen kleinen Löwen vor dem Tod gerettet.
B. Sie hat einem Löwen in ihrem Zoo einen besonderen Trick beigebracht.
C. Die Besucherzahl in ihrem Zoo ist wegen eines neuen Löwen gestiegen.
D. Nach vielen Bemühungen hat sie einen neuen Löwen für ihren Zoo beschafft.
4.6 Was für ein Problem gab es mit dem jungen Löwen im Eifel-Zoo?
A. Der junge Löwe wurde von seiner Mutter nicht gesäugt.
B. Der junge Löwe musste vor kurzer Zeit operiert werden.
C. Der junge Löwe litt seit seiner Geburt an einem Nierenversagen.
D. Der junge Löwe durfte nach einem Jahr nicht mehr mit seiner Mutter
zusammenleben.
4.7 Wovon handelt der Text?
A. Von einem neuen Erziehungsprojekt für kleine Löwen.
B. Von der Beschaffung von Löwen aus einem anderen Zoo.
C. Von Problemen der Zoo-Mitarbeiter mit aggressiven Tieren.
D. Von einer unkonventionellen Vorgehensweise in einer Krisensituation im Zoo.
ÜBERTRAGEN SIE IHRE LÖSUNGEN IN DEN ANTWORTBOGEN!
MND-1A Strona 7 z 18