Warum konnte sich Frank beim Spiel nicht konzentrieren?
Aufgabe 4 (0–7)
Lesen Sie zwei Texte zum Thema Leben im Ausland und kreuzen Sie die jeweils richtige
Antwort (A, B, C oder D) an. Nur jeweils eine Antwort ist richtig.
Text 1
DIE ENTSCHEIDUNG
„Fuchs gefangen! Im letzten Stich!“ Frank warf triumphierend den Kreuzbuben auf
das Karoass. Das war wirklich Glück gewesen, denn er konnte sich heute nicht konzentrieren.
Die Standuhr hielt ihm gnadenlos vor die Nase, dass die Stunden verpufften. Ihm blieben nur
wenige, um sich für den Ort zu entscheiden, dem er möglicherweise den Rest seines Lebens
anvertrauen würde.
„Dieses Jahr hört der Winter nicht auf“, stöhnte Nadine. „Man müsste an einem Palmenstrand
liegen. Stattdessen spielen wir ewig Doppelkopf und quälen uns auf dem Heimweg durch
Berge von matschigem Schnee.“
„Apropos Palmen“, sagte Rudi, „was ist nun mit dem Angebot, Frank?“
Frank warf Nadine einen ärgerlichen Seitenblick zu. Er hatte das Problem verjagen wollen wie
eine aufdringliche Mücke, obwohl er bis morgen um sieben Uhr eine Antwort finden musste.
Nicht nur Rudi wollte sie hören, sondern vor allem der Chef.
Er versuchte, sich die Palmen vorzustellen, einen weichen Strand, sanfte Luft. Aber das Bild
verschwamm sofort wieder. An seiner Stelle tauchte Janas Gesicht auf, Jana, die im
Nachbarhaus aufgewachsen war, mit der er als bester Kumpel in seinen Kindertagen
spannende Abenteuer erlebt hatte und in dieselbe Schule ging. Jana, die ihm jetzt jeden
Morgen Bananen verkauft. Frank hatte drei Beziehungen hinter sich, keine davon mit Jana.
Das konnte er sich noch nicht einmal vorstellen. Aber es gehörte zu seinem Leben, dass er
über die Jahre verfolgen konnte, wie sich die Lachfalten in ihren Augenwinkeln vermehrten.
Die ersten hatte sie schon mit dreizehn gehabt. Er fühlte sich sicher, solange diese Strahlen
am Rande seines Lebens gegenwärtig waren. Diese Begründung allerdings wollte er Rudis
Spott nicht zum Fraß vorwerfen.
„Was für ein Angebot?“ fragte Kai.
„Franks Chef will ihn nach Florida beordern, damit er eine neue Zweigstelle führt. Und
der Verrückte da denkt wirklich noch darüber nach, anstatt nach dem Köder zu schnappen.“
„Frank, das ist doch eine Riesenchance“, sagte Kai. „Du bist gesund, im besten Alter und
gerade solo. Was hält dich hier?“ Nichts, was ich so einfach erzählen könnte, dachte Frank
und starrte düster auf die vier Asse in seiner Hand.
„Außer deiner Trägheit gibt es keinen vernünftigen Grund, abzulehnen“, stellte Kai fest.
„Stimmt“, sagte Frank. Einen vernünftigen Grund gab es wirklich nicht. Und er war
ein vernünftiger Mensch. Seine Eltern hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass nur
vernünftige Menschen eine Daseinsberechtigung haben. Dass ihn Palmen nicht interessierten,
weil er jedes Jahr dem ersten Schneeglöckchen entgegenfieberte und diese Erwartung nicht
missen mochte, war kein vernünftiger Grund, und auch keiner, der für jemanden wie Rudi oder
den Chef mehr als Zigarettenasche bedeuten würde, die man achtlos abstreifen kann.
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Frank schlief in dieser Nacht nicht. Er jagte seine Gedanken erfolglos auf die Suche nach
einem vernünftigen Grund. Alles, was ihm einfiel, war ein Urlaub auf einer Nordseeinsel, wo
er am Strand wandern konnte. Und Spätsommerabende, wenn er andächtig die Grillen
belauschte. Grillen gab es zwar auch in Florida, aber sie hatten andere Stimmen. Stimmen
ohne Erinnerungen.
Nein. Nichts davon war vernünftig. Vernünftig waren Palmen, eine interessante berufliche
Zukunft und ein gutes Gehalt. „Eine kluge Entscheidung!“, lobte Franks Vater am nächsten
Tag durchs Telefon.
nach: Patricia Koelle „Die beste Karte“
4.1 Warum konnte sich Frank beim Spiel nicht konzentrieren?
A. Er dachte ständig an Nadine.
B. Er hat immer beim Kartenspiel verloren.
C. Er träumte von seinem nächsten Urlaub.
D. Er musste einen wichtigen Entschluss fassen.
4.2 Was verband Frank und Jana?
A. Sie waren Klassenkameraden.
B. Sie waren einmal ein Liebespaar.
C. Sie arbeiteten beruflich zusammen.
D. Sie waren in der Kindheit Spielgefährten.
4.3 Wie ist der unterstrichene Satz in Bezug auf den Text zu verstehen?
A. Er wollte nicht, dass Rudi ihn auslacht.
B. Er wollte nicht, dass Rudi Mitleid mit ihm hat.
C. Er wollte nicht, dass Rudi ihn bei Jana schlechtmacht.
D. Er wollte nicht, dass Rudi Jana sein Geheimnis verrät.
4.4 Frank hat sich entschieden, nach Florida zu gehen,
A. obwohl sein Vater ihm davon abgeraten hatte.
B. obwohl sein Chef ihn in Deutschland brauchte.
C. obwohl er die vertraute Landschaft vermissen würde.
D. obwohl er Angst vor der neuen beruflichen Herausforderung hatte.
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Text 2
DEUTSCHE IN FLORIDA
Immer wieder zieht es Deutsche nach Amerika. Auch in Florida finden sich überall deutsche
Spuren. Zum einen sind da natürlich die „Schneevögel“, die im Herbst auch aus Deutschland
in Scharen herüberflattern und sich mehrere Monate Sonne, Strand und Golfspiel gönnen.
Zahlreiche deutsche Bäckereien, Metzgereien und Restaurants kümmern sich darum, dass
sich diese grauhaarigen Langzeiturlauber ebenso wie Kurzzeittouristen wie zu Hause fühlen
können. Zum anderen sind es aber auch jüngere deutschsprachige Einwanderer, die als
Angestellte großer Unternehmen nach Florida kommen oder sich hier eine neue Existenz
aufbauen. Und die sich hin und wieder nach heimischen Produkten und nach ein bisschen
deutscher „Nestwärme“ sehnen. Diese kann man sich über virtuelle Kontakte in Internetforen
holen oder in einem der vielen Clubs, die sich der Pflege deutscher Feste und Traditionen
verschrieben haben.
Als Besucher der deutsch-amerikanischen Clubs in Florida hat man zuweilen das Gefühl, dass
das Brauchtum hier mehr gefeiert wird als in Deutschland selbst. Wenn man im Oktober quer
durch Florida fährt, sieht man jedenfalls überall Oktoberfeste. Dass die deutschen Bräuche
dabei mittlerweile sehr amerikanisiert sind – wen stört’s? Wer daran teilnimmt, macht sich
wenig Gedanken darüber, wie authentisch das Erlebnis eigentlich ist. Die amerikanischen
Gäste wollen hier ein Deutschlandbild bestätigt sehen, das eher von Kuckucksuhr und
Bierkrug geprägt ist als von Hightech und Weltläufigkeit. Es geht ihnen um Gemütlichkeit und
ein bisschen „alte, heile Welt“. Sie assoziieren Deutschland immer noch mit Schuhplattlern,
Karnevalsgruppen und Eisbein mit Knödeln, und das trotz der Tatsache, dass man heute
in Berlin wahrscheinlich häufiger italienisch essen geht oder sich an einer Dönerbude mit
einer schnellen Mahlzeit versorgt als mit einem typischen deutschen Gericht.
Ein anderes Bild von Deutschland präsentieren die neuen deutschen Clubs, die sich bemühen,
den Landsleuten ein bisschen Heimat zu vermitteln. Den Amerikanern zeigen sie dabei
ein Deutschland, wie es heute existiert: weltoffen, sympathisch, gastfreundlich. Mit netten
Menschen und einem unverkrampften Verhältnis zu eigenen Traditionen und zum eigenen
Brauchtum. Gott sei Dank!
nach: www. floridasunmagazine.com
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4.5 Im ersten Abschnitt des Textes wird beschrieben,
A. woran es deutschen Touristen in Florida mangelt.
B. aus welchen Gründen viele Deutsche nach Florida kommen.
C. welche Spezialisten aus Deutschland in Amerika angestellt werden.
D. wie deutsche Traditionen in amerikanischen Clubs gepflegt werden.
4.6 „Schneevögel“ sind
A. Wandervögel, die über den Winter in Florida nisten.
B. Reisende, die zu einem kurzen Aufenthalt nach Florida kommen.
C. Touristen, die kalte Wintermonate in warmen Ländern verbringen.
D. deutsche Golfspieler, die ihre Sportart an Weihnachten in Florida betreiben.
4.7 Welche Vorstellung scheinen, dem Text zufolge, die Amerikaner von
den Deutschen zu haben?
A. Die Deutschen sind offen für fremde Kulturen.
B. Die Deutschen hängen an ihren Sitten und Bräuchen.
C. Die Deutschen sind von innovativer Technik begeistert.
D. Die Deutschen ziehen die italienische Küche der deutschen vor.
ÜBERTRAGEN SIE IHRE LÖSUNGEN IN DEN ANTWORTBOGEN!
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